Produktion

Biologischer Pflanzenschutz

Die ersten und wichtigsten Maßnahmen zur Verhütung von Schädlingen sind eine gute Klimaführung, Hygiene an der Pflanze, sauberes Arbeiten in den Gewächshäusern sowie eine ausgeglichene Versorgung der Pflanzen. All diese Maßnahmen fördern gesunde und abwehrstarke Pflanzen, die sich gut gegen Schädlinge wehren können. In unseren Gewächshäusern werden tierische Schädlinge ausschließlich biologisch, d.h. mit Hilfe von Nützlingen, bekämpft. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln wird nur in Ausnahmefällen zugelassen, da sonst die Nützlinge abgetötet werden würden und somit das System des biologischen Pflanzenschutzes zusammenbrechen würde.

Um feststellen zu können, welche Schädlinge sich im Gewächshaus aufhalten, werden sofort nach der Pflanzung sogenannte Gelbtafeln im Bestand aufgehängt. Bei den Gelbtafeln handelt es sich um beleimte gelbe Kunststofftafeln, von deren gelber Farbe die Insekten angelockt werden und auf der Tafel kleben bleiben. Bei regelmäßiger Auswertung der Gelbtafeln und Bestandskontrollen hat man einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Schädlings- und Nützlingspopulationen im Gewächshaus. Hat man durch die Auswertung der Gelbtafeln und Bestandskontrollen Schädlinge im Gewächshaus festgestellt, kann man diese mit den entsprechenden Nützlingen bekämpfen.

Gegen die Weiße Fliege werden beispielsweise Schlupfwespen (Encarsia formosa) im Bestand ausgebracht. Die Schlupfwespen legen jeweils ein Ei in eine ältere Larve der Weißen Fliege. Die Larve der Schlupfwespe entwickelt sich dann innerhalb der Larve der Weißen Fliege und tötet sie dabei ab. Da sich die Weiße Fliege explosionsartig vermehrt, kann der Einsatz nach Befallsbeginn zu spät sein.

Die mit den durch Schlupfwespen parasitierten Larven der Weißen Fliege beklebten Karten werden gleich nach der Pflanzung und dann im Abstand von 14 Tagen an die Pflanzen gehängt. Innerhalb von 5 – 10 Tagen schlüpfen dann die Schlupfwespen aus den Larven und beginnen, ihre Eier in die Larven der Weißen Fliege zu legen. Zur Bekämpfung der Weißen Fliege eignet sich auch die Raubwanze (Macrolophus pygmaeus). Die erwachsenen Raubwanzen und ihre Larven erbeuten die Larven der Weißen Fliege, aber auch Thripse, Blattläuse, Milben und Minierfliegenlarven.

Blattläuse können auch mit Hilfe der Schlupfwespen, der Räuberischen Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza) oder Florfliegenlarven (Chrysoperla carnea) bekämpft werden. Gegen Spinnmilben („Rote Spinne“) setzen wir hauptsächlich die Raubmilbe  Phytoseiulus persimilis ein ein. Die Raubmilbe wird im Gegensatz zu den Eiern der Schlupfwespe nicht im gesamten Bestand der Pflanzen ausgebracht, sondern kommt nur gezielt an befallenen Pflanzen zum Einsatz. Thripse, besonders in Gurken, bekämpfen wir hauptsächlich mit den Raubwanzen Amblyseius cucumeris und Orius laevigatus, wobei Orius laevigatus auch andere Schädlinge vertilgt. Die Minierfliegen in den Tomaten werden mit den Schlupfwespen-Arten Diglyphus israea und Dacnusa sibirica bekämpft.

Im Gegensatz zum chemischen Pflanzenschutz tritt die Wirkung eines Nützlingseinsatzes nicht sofort ein, da sich die Nützlingspopulation im Bestand entwickeln muss und auch die Schädlinge erst nach und nach unschädlich gemacht werden. Die Schädlingspopulation wird auch nicht komplett ausgerottet sondern auf einem Niveau gehalten, das für die Kulturpflanzen tolerierbar ist. Deshalb ist eine rechtzeitige Behandlung unumgänglich. Alle Nützlinge benötigen spezielle Entwicklungsbedingungen hinsichtlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Nahrungsangebot (also Stärke des Schädlingsbefalls). Einige Nützlinge bilden relativ stabile Populationen, die sich je nach Menge der vorhandenen Schädlinge mehr oder weniger stark vermehren und so die Schädlinge dauerhaft unter Kontrolle halten. Andere Nützlinge müssen wiederholt in den Bestand eingebracht werden, um das Gleichgewicht zwischen Nützling und Schädling aufrecht zu erhalten. Wieder andere sind nur kurze Zeit im Bestand. Beispielsweise fressen die Larven der Florfliege nur 14 Tage lang Schädlinge, dann verpuppen sie sich und fliegen
anschließend als erwachsene Florfliegen aus dem Bestand.

Aus diesen Gründen muss je nach Situation entschieden werden, welcher Nützling im speziellen Fall eingesetzt wird. Entscheidend hierfür sind die Art und Menge der vorhandenen Schädlinge, Jahreszeit, Witterung usw. Die Nützlinge können in verschiedenen Abpackungen bei sogenannten Nützlingsbetrieben bestellt werden. Wir bekommen die Nützlinge dann in verschiedenen Entwicklungsstadien als Eier, Larven, Puppen oder erwachsene Tiere vom jeweiligen Züchter geliefert. Aber nicht überall kommen die tierischen Helfer zum Einsatz.

Sind die Pflanzenbestände von Pilzen oder Bakterien befallen, können die Nützlinge wenig ausrichten. Die biologische Herangehensweise bei Pilz- oder Bakterienerkrankungen sind eher präventiver Natur. Das heißt, dass versucht wird über eine optimale Klimaführung, gute Versorgung und sauberes Arbeiten an der Pflanze ein Pilzbefall zu vermeiden. Volkskrankheit Nummer 1 bei den Tomaten ist die Botrytis. (siehe Foto) Vergleichbar mit der Grippe beim Menschen führt dieser Befall mit Pilzsporen bei den Pflanzen jedoch unweigerlich zum Absterben. Vorbeugend darf hier das Fungizid "Teldor" gespritzt werden.